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Die Platzhirsch-Stalkerin

Die Platzhirsch-Stalkerin

Warum Männer & Frauen starke Kommunikationsprobleme haben und was die Werbung damit zu tun hat. Ein Platzhirsch berichtet.

Wie ein Platzhirsch steht sie da. Keinen einzigen Tag bleibe ich verschont. Sobald ich morgens im Auto sitze, verfolgt sie mich munter. Ohne sie darum gebeten zu haben, „röhrt“ sie mir die Ohren voll – und ich hatte noch nicht mal einen Kaffee. Sie steht an jeder Ecke. Einmal ist sie größer, einmal kleiner. Einmal dicker, einmal dünner. Einmal hat sie Stil, einmal ist sie einfach nur plump. Aber sie lässt einfach nicht locker. Sie ist wirklich hartnäckig. Lästig. Nervt. Auch bei Regen.

Wie egoistisch sie doch ist. Sie redet immer nur über sich; wie einzigartig sie ist. Andauernd stellt sie sich in den Mittelpunkt. Ich schäme mich fremd. Diese Rücksichtslosigkeit ist einfach unentschuldbar. Ungefragt will sie mir Sachen andrehen, die ich gar nicht haben will.

Wisst ihr, sie lügt auch gerne. Sie bauscht alles auf und macht aus jeder Fliege einen Elefanten. Respektlos und todesmutig in ihrem Tun versteht sie kein ’nein‘, ‚lass mich in Ruhe‘ oder ‚ES INTERESSIERT MICH NIIIIICHT‘.

 

DARF ICH VORSTELLEN?

 

Ich hab versucht sie zu ignorieren.

Keine Chance. Ich hab mir fest vorgenommen, ihr zu sagen, dass ich sie nicht mehr sehen will. Einfach so… direkt ins Gesicht! Aber sie VERSTEHT es nicht. Darf ich vorstellen: gemeint ist die liebe Werbung!

Und davon spreche ICH, wo ich doch seit 14 Jahren in der Werbung tätig bin. Rede ich gegen mein Geschäft? Nein, aber ich sehe den Trend, der immer mehr zum Chaos ausartet. Ich meine, dass die klassischen Inserate im Print früher oder später sterben werden (so wie wir alle *smile*). Nicht nur, weil täglich Modernisierung stattfindet und das World Wide Web „brodelt“ und die heutigen Fortschritte und Neuheiten rasant fortschreiten. Es sind auch die Kosten, die im Print vergleichsweise zu Online-Werbung sehr hoch sind.

 

„Gefällt mir“: BIN ICH NUR MIT WERBUNGEN BEFREUNDET?

So, und eine Zeitung kann ich aufschlagen oder nicht – ich kann es mir aussuchen. Onlinegehen muss ich ja auch nicht… naja, natürlich muss ich das, schon alleine wegen meinem Job und den doch auch vielen unglaublichen Vorteilen des Internet; und weil es eben zu unserer heutigen Gesellschaft gehört wie damals das Fax. Hier verfolgt sie mich wieder, blinkt da und dort auf. Wenn ich meine Facebook-Seite ansehe, denke ich: bin ich nur mit Werbungen befreundet? Ich muss quasi schon die Beiträge meiner Freunde „suchen“. Auf Scrollingboards jagt eine Werbung der anderen hinterher. Ich habe mich gefragt, ob es bei der Stadteinfahrt mehr Plakatständer als Autos auf der Straße gibt.

Wie können wir so noch positiv auf Werbung reagieren und folglich agieren? Jetzt fehlen nur noch die Leuchttafeln aus Las Vegas, dann können wir von Amerikanisierung sprechen. Kommunikationsprobleme in der Werbung sind nicht vorprogrammiert, sondern allgegenwärtig. Es wird too much und somit auch hier eine tragende Wende geben. Bis dahin wird sie mich weiter nicht verstehen und auf mich ein“röhren“… der Platzhirsch Werbung.

 

MAN(N) MÖGE ES UNS VERZEIHEN

Apropos „NICHT VERSTEHEN“: Das erinnert mich an ein Buch, dass ich nach der Trennung von meinem 1. Freund gelesen habe: Männer sind vom Mars, Frauen von der Venus 😉 Kennt ihr bestimmt. Hier gehts um die unterschiedliche Kommunikation zwischen Mann und Frau. Als Beispiel sei hier folgendes genannt:

 

Er: „Wir haben keine Milch mehr.“

Sie: „Ich kann nicht an alles denken.“

Er: „Ich hab ja auch nur gesagt, dass die Milch alle ist.“

Sie: „Dann geh das nächste Mal selbst einkaufen! Pfffff!“

Hmmm… Der Mann stellt nur fest, die Frau fühlt sich kritisiert und angegriffen. Frauen sind aber auch komplizierte Geschöpfe. Ich weiß, ich weiß, ich rede gegen uns Mädels, aber lasst euch doch mal eines besseren belehren…

 

BIER UND GUT IS!

 

Wie oft wünsche ich mir in einem Streitgespräch mit einer Frau ein Mann zu sein. Denn dann wäre die Versöhnung ganz einfach… nein, nein, nicht das was ihr jetzt denkt 😉 Wir würden auf ein Bier gehen und der Streit wäre erledigt. Vergeben und vergessen! DAS ist bei Frauen nicht möglich, denn auch wenn sie sagen, dass sie vergeben und vergessen: sie werden es nie tun. Das ist ihr – ich nenne es ganz liebevoll – „kontrollsüchtiges“ Naturell.

 

DIE GESCHICHTE IST SCHULD!

 

Ich denke, dass liegt an der Entwicklung des Feminismus ab Mitte des 19. Jahrhunderts. Wir Frauen haben viel über uns ergehen lassen müssen. Wir kämpften um eine eigene Meinung, um Gleichberechtigung, um Bildungsmöglichkeiten, darum, selbst über unseren Körper bestimmen zu dürfen usw. Wir sind geprägt – Man(n) möge es uns bitte verzeihen.

 

ICH BIN EIN STARKES MÄDCHEN!

 

Wir möchten nicht wieder in „alte“ Zeiten zurückfallen. Deshalb machen wir am liebsten alles selbst, auch die blöden Nägel in die Wand schlagen (und wenn wir uns mit dem Hammer auf den Finger hauen, werden wir es euch Männern nie sagen, denn: wir können das!). Und wir können auch alles besser; zumindest müssen wir euch das beweisen; denken wir. Und was uns Frauen noch besonders wichtig ist, ist es Recht zu haben. Ja da habt ihr einfach keine Chance… klingt das nicht furchtbar?

Ich finde schon. Lasst uns nicht mehr so verbissen und bissig sein. Ich versuchs mal und ertappe mich immer öfter dabei, Dinge, die ich glaube kontrollieren zu wollen oder müssen einfach sein zu lassen. Ich muss doch nicht immer Initiative zeigen. Wozu denn auch? Das stresst mich doch nur zusätzlich. Ist doch nicht wichtig. Und vor allem: den Mann interessiert es nicht. Es nervt einfach nur. So wie die ganze Werbung, von der ich nicht betroffen sein möchte und die trotzdem immer präsent ist.

 

PS: Eine Freundin war soeben zu Besuch und hat mir erzählt, dass nicht sie die Zicke ist sondern ihr Liebster. Tja, versteh einer die Männer 😉

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